Fazit zum Leben im Passivhaus

Nun, die Daten des Wärmemengenmessers der Wärmepumpe zeigen, dass wir beim Wärmebedarf die Passivhauskriterien im realen Betrieb nicht erreicht haben. Wenn man sich aber den Primärenergieverbrauch des Hauses inkl. Haushaltsstrom und allen Verbraucher anschaut liegen wir mit knapp 19 kWh/m²a ganz gut (aus regenerativen Quellen / PHI: max. 120 kWh/m²a).
Mit dem Gesamtenergieverbrach sind wir sehr zufrieden, dieser liegt deutlich unter der Prognose. Allerdings hatten wir mit weniger Heizwärmebedarf gerechnet, dafür aber auch eine schlechtere Arbeitszahl der Wärmepumpe angenommen. Auch mit dem Wohnkomfort kommen wir gut zurecht.

Ob man unser Haus nun als Passivhaus bezeichnen möchte oder nicht bleibt jedem selber überlassen. Wir benutzen den Begriff auch wenn er nicht wirklich gefällt und wir das Konzept schon etwas ergänzt haben.

Nein, es muss kein Passivhaus sein. Allerdings ist die Grundidee schon für niedrigen Heizenergieverbrauch verantwortlich. Wenn man wärmebrückenfrei, mit guten dreifach verglasten Fenstern und einer dichten Hülle mit Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung baut ist die reine Dämmstärke vielleicht nicht mehr ganz so wichtig, vorausgesetzt man hat eine korrekt berechnete Heizlast und eine „richtige“ Heizungsanlage. Das Heizen über die Lüftungsanlage halte ich allerdings für problematisch. Also doch ein Aktivhaus… Ob der Energieverbrauch des Hauses dann ökologisch und ökonomisch ist hängt von der Anlagenart und dem Energieträger ab. Da gibt es nicht den einen besten Weg aber viele neue Möglichkeiten…

 

Plusenergiegebäude / Nullenergie Haus

In den letzten Jahren sind zu den Passivhäusern Nullenergie- oder Plusenergie-Gebäude entwickelt worden. Hier soll das Haus mindestens soviel Energie produzieren wie es selber verbraucht. Das wird in der Regel neben Solarthermie mit einer ausreichend dimensionierten Photovoltaik (PV) Anlage erreicht. Die reine Effizienz steht hier nicht alleine im Fokus.

Dies ist meiner Meinung nach oft eine ökologische Mogelpackung. Diese Häuser sind mitnichten energieautark. Sie produzieren nur im Sommer soviel Solarenergie wie sie selber nachts und im Winter benötigen. Hier findet nur eine Verschiebung statt. Dabei ist nicht immer klar, ob der gesamte Primärenergieverbrauch inkl. Haushaltsstrom kompensiert wird oder nur der absolute Verbrauch der Haustechnik.
Ohne entsprechende Speichertechnik sind die Autarkiegrade solcher Häuser noch gering.

Erst mit ausreichend dimensionierten Speichersystemen kann ein durchschnittlicher Privathaushalt mit PV Anlagen gute Autarkiegrade erreichen.

Vielleicht auch bald eine sinnvolle Nachrüstung für unser Haus… wenn die Preise für Speicher weiter sinken…

 

Abhängigkeit

Mit unserem Hauskonzept sind wir klar vom Energieträger Strom abhängig. Bei einem länger anhaltendem Blackout wie 2005 im Münsterland läuft bei uns nichts mehr. Aber ein sehr gut gedämmtes Haus verliert auch bei Frost nur sehr langsam seine Temperatur. Bis es wirklich im Haus kalt wird vergehen schon ein paar Tage. Wer hier vorsorgen will braucht ein Notstromaggregat mit entsprechender Hauselektrik. Oder einen BHKW oder einen Holzofen…

 

Epilog

Bitte bedenkt, dass unsere Erfahrung sich nicht auf das Leben in einem Passivhaus mit Luftheizung bezieht. Wir haben diesen Weg bewusst nicht eingeschlagen. Jedoch gibt es durchaus positive Berichte von Bewohnern dieser Häuser. Man kann sicher davon ausgehen, dass Passivhäuser mit Luftheizung funktionieren, wenn… ja, wenn sie ordentlich geplant und ausgeführt werden und sich die Bewohner an die „Spielregeln“ halten.

Wer also ein Passivhaus bauen möchte sollte das unbedingt nur mit einem erfahrenen Passivhausplaner und Kontakt zu seinen Referenzobjekten tun. Das gilt besonders für Häuser mit Luftheizung.

 

 

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